Gute Familientradition ist es, in der kalten Jahreshälfte wenigstens ein Eishockeyspiel aufzusuchen. Warum? Weil Eishockey einfach ein geiler Sport ist! Dieses Intensive, Schnelle, das dem Fußball ja zuweilen abgeht, fetzt. Und wie genial ist es bitte, unmittelbar an der Bande zu stehen bzw. zu sitzen und beinahe mittendrin im Spektakel zu sein. Ohne überhaupt Schlittschuh laufen zu können… Aber das ist ein anderes Thema. Tatsächlich beschränken sich meine Eisstadionerlebnisse auf Matches am Hannoveraner Pferdeturm, im Berliner Welli, im Kölner Eisstadion an der Lentstraße, in der Sydjysk Sparekasse Arena und dem Timmendorfer Eissportzentrum. Überall aber war´s cool. Als weniger mitreißend empfand ich hingegen die beiden besuchten Spiele in richtig großen Arenen, der KölnArena und dem Madison Square Garden. Nein, beim Eishockey muss man nah dran sein, die Kälte spüren.
Zum Beispiel in Timmendorf. Im Dorfderby gegen die Adendorfer Heidschnucken. Dieses Regionalliga-Traditionsduell hatte ich in diesem Jahr also ausgewählt für unseren Ausflug. Da die Kinder nicht so ganz auf dem Damm waren, fuhr ich schließlich jedoch alleine hin – trotz freitäglicher Motivationsprobleme. Glücklicherweise! Das Spiel nämlich lieferte.
Beide Vereine haben schon bessere Zeiten erlebt, gehören in der Viertklassigkeit daher zu den relevanten Teams mit wenigstens jeweils einer kleinen Fanbasis. Da beide Clubs sich im Laufe der Jahre häufiger begegneten und sie als Randgemeinden größerer Städte zudem bei relativer Nähe jeweils in einem eher provinziell anmutenden Rahmen agieren, sind sie sich im sogenannten Dorfderby aneinander die größten Rivalen, wobei die Rivalität ganz eishockeytypisch eher eine entspannt-liebevolle ist.
Austragungsort ist heute das Timmendorfer Eissportzentrum. Dieses ist renovierungsbedürftig und steht gefühlt alle paar Jahre vor dem Aus. Heute platzt es zwar nicht aus allen Nähten, ist aber mit knapp 900 Zuschauern sehr ordentlich gefühlt.
Zwei kleine Fanblöcke – die Timmendorfer Strandkurve genauso wie der Gästebereich – supporten ihre Teams bereits mit Verve, während die Maskottchen das Spiel mit einem Scheinbully eröffnen. 12 Sekunden nach dem richtigen Bully führen dann bereits die Gäste, zwei Minuten später gleichen die Timmendorfer Beach Devils aus, gehen eine halbe Minute später sogar in Führung. Ein hanebüchener Abwehrfehler bringt die in dieser Saison noch ungeschlagenen Adendorfer wieder ins Spiel. Es steht nach knapp fünf gespielten Minuten also 2:2. Was für ein rasanter Start war das denn? Großartig! Da verzeiht man den Teams gerne, dass es gegen Ende des ersten Drittels ein wenig ruhiger wird. Das zweite Drittel verfolge ich dann aus dem Timmendorfer Fanblock. Auch diese Spielsequenz beginnt brutal intensiv. Bereits nach etwa 20 Sekunden führen erneut die Beach Devils. Doch auf dieses Tor haben die Adendorfer eine rasche Antwort: 3:3.
In der zweiten Drittelhälfte wird es für die Gastgeber eng, das Remis aber wird zunächst gehalten. Im Schlussdrittel gelingt den Heidschnucken dann aber die Führung. Es bahnt sich eine hitzige Schlussphase an – zumal zwei Minuten vor dem Ende der vielumjubelte Ausgleichstreffer fällt. Im Anschluss geht es hin und her. Das 4:4-Unentschieden ist schließlich ein gerechtes Resultat und beschert beiden Teams bereits je einen Punkt. Da es im Eishockey aber einen Sieger braucht, geht es weiter mit einer fünfminütigen Overtime mit je drei Feldspielern. Vogelwild! Da jedoch kein weiterer Treffer erzielt wird, folgt ein Penaltyschießen, das die Beach Devils dank einer fulminanten Torwartleistung dann für sich entscheiden. War! Das! Spannend! Vielen Dank für diesen unterhaltsamen Abend!
Wie geil wäre das, wenn die Timmendorfer ein wenig an alte Zeiten anknüpfen können und vielleicht nochmal den Weg ins überregionale Eishockey finden. So oder so – ich freue mich, dass die Beach Devils sich anscheinend bester Gesundheit erfreuen und komme bestimmt wieder!
Derweil kommen die Kids dann doch noch zu ihrem Eishockeyvergnügen: Das Wochenende klingt mit mehreren Partien Tischeishockey aus…










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