In Kopenhagen schellt das Telefon…

Bevor dann in der kommenden Woche der richtige Herbsturlaub starten soll, stand noch ein verlängertes Wochenende zur freien Verfügung. Nur ich und die Straße. Beziehungsweise Schienen. Und Stadien. Und Kultur und so. Bei der Frage, in welche Richtung die ganze Chose laufen möge, ist Abwägung alles. Nicht zu weit, nicht zu aufwendig, diesmal nicht fliegen… Was bleibt da? Richtig, Dänemark! Gerade Jütland stand zuletzt häufiger auf dem Zettel, Kopenhagen aber… lange war´s her, dass ich dort war.
Der Plan mithin: Mit dem Auto über Flensburg, wo das Regionalligaspiel des SC Weiche gegen die sympathischen Oldenburger wartete, nach Kolding und von dort aus mit dem Zug gen Kopenhagen, wo natürlich auch Fußball auf der Agenda stehen sollte. So nämlich!

Bei allerbestem Herbstwetter mache ich mich dann tatsächlich auf in die nördlichste Stadt der Republik. Der SC Weiche Flensburg 08, ein Hybrid aus dem Eisbahnerverein des flensigen Vororts Weiche und dem Traditionsverein Flensburg 08, ist etablierter Nordregionaligist und wurde von mir bisher weitgehend ignoriert. Heute ist mit dem VfB Oldenburg der Tabellenführer zu Gast. Mit ihm sind ein paar hundert Gästefans am Start – dank einer Fanfreundschaft der Ultragruppierungen dabei auch ein paar Kieler… Im Heimbereich hingegen versuchen sich ca. 20 Küstenlümmel und ebenso viele Jung-Ultras, die in einem ausliegenden Infoflyer informieren, dass sich solche eben nicht seien und sich Nord-Boys nennen. Das Spiel wird von Beginn an von den Gästen bestimmt. Die Überlegenheit lässt sich bald auch am Zwischenstand ablesen. Mit einer 3:0-Führung gehen die Oldenburger in die Schlussphase des Spiels, die dann überraschend noch ein wenig Spannung bereithält, da die Flensburger nach einem Elfergeschenk direkt nach Eckball nachlegen können. Die letzten fünf Minuten werden aus VfB-Sicht dann doch arg wacklig.
Mit dem Schlusspfiff stürze ich dann aus dem stadionähnlichen Konstrukt zum Auto. Dank der deutschen Urlauber – Samstag ist Bettenwechsel – erwische ich den IC nach Kopenhagen nur knapp. Egal: Podcast auf die Ohren, Sonnenuntergang überm großen Belt. Schön!
In Kopenhagen angekommen checke ich dann ein in einem dieser seelenlosen Budget-Hotels, von denen es in der Stadt sehr, sehr viele gibt. Überhaupt – das merke ich dann im Rahmen meiner Stadterkundungen der kommenden beiden Tage – ist der Tourismus seit meinem letzten Besuch noch einmal richtig explodiert. Was immer noch angesagt ist in der Stadt: Fahrradfahren! Ich buche mir einen 24-Stunden-Pass und reite auf meinem Esel „Janine“ durch die Metropole. Nach einem Abstecher über Christianshavn nach Christiania sowie entlang des Nyhavns und Amalienborg gen Kastell und Meerjungfrau finde ich mich im staatlichen Kunstmuseum wieder. Nach Munch und Nolde gibts Mittag und dann einen wilden Ritt in die Peripherie. Nach Brøndby! Zum eindeutig sympathischeren der beiden großen Hauptstadtklubs. BIF lädt heute zum Heimspiel gegen den aktuellen Tabellenführer aus Aarhus. Und für die generell ja eher hyggelige dänische Superliga ist Brøndby IF schon speziell – ohne Frage. Support, Fanaufkommen, Drumherum… BIF und auch der FC Kopenhagen spielen in einer eigenen Liga. Am ehesten mithalten können da die Fanszenen der verhältnismäßig großen Traditionsvereine wie z.B. aus Aarhus. So ist der Gästeblock heute auch gut gefüllt und stimmungsvoll, was ich insbesondere deshalb gut mitbekomme, weil ich direkt oberhalb von diesem sitze. Gut wahrnehmbar sind deshalb auch die Vorbereitungshandlungen zum Einsatz von Pyrotechnik beim Einlauf der Mannschaften…
Das Spiel läuft zunächst nach dem Geschmack des Gästeanhangs. AGF ist besser. Aus dem Nichts heraus jedoch gehen die Gastgeber mit ihrer ersten Offensivaktion in Führung. Die Pausenführung ist glücklich. Im zweiten Durchgang wird das insgesamt nicht hochklassige Spiel dann richtig unterhaltsam. Brøndby IF ist jetzt überlegen, erzielt das 2:0 und nach einem Gegentreffer aus dem Nichts das 3:1.
Das Spiel befindet sich dann bereits in seinen Endzügen und es spricht nicht viel dafür, dass die Gäste noch einmal zurückkommen können. Das denkt sich wohl auch der Trainer der Hausherren und wechselt sämtliche potentiellen Matchwinner aus. Kurz vor dem Ende fällt dann erneut aus dem Nichts aber der neuerliche Anschlusstreffer. Und jetzt wird´s wild. Es geht hin und her. Und in der vierten Minute der Nachspielzeit explodiert schließlich der Gästeblock: 3:3.

Am nächsten Morgen unternehme ich dann bei erneut fantastischem Herbstwetter Teil 2 meiner Stadttour: Gammelholm, Maca-Museum, Rundetaarn, Rosenborg Slot und Botanischer Garten. Diesmal per pedes.
Mit dem ersten Nachmittagszug geht es dann zurück nach Kolding. Das Wetter hat mittlerweile umgeschlagen, sodass ich auf den Strandausflug verzichte. Stattdessen stoppe ich in Christiansfeld und Christinero, um dann im Anschluss noch ein wenig Fußball in Haderslev zu schauen. Das Montagsspiel zwischen Sønderjyske und den Aufsteiger aus Fredericia wartet. Mit knapp 5000 Zuschauern dann wieder ein wenig Superliga-typischer… Das Überraschendste an diesem verregneten Abend mit einem lockeren Start-Ziel-Sieg der Heimmannschaft ist die Pyrotechnik, die der Heimverein ganz offiziell vorm Anpfiff zündet. Da können auch die Haderslever Ultras nicht mithalten…

Mein ursprünglicher Plan, zwei Tage länger in Kopenhagen zu verweilen und im Parken noch das Spiel des FC Kopenhagen gegen den BVB zu sehen, verwarf ich übrigens angesichts der Ticketpreise…

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