LOL – Lübeck ordentlich lost

Ein Besuch in Plön. Und dann die Idee, diesen mit dem Besuch eines Fußballspiels abzurunden. Wohin dafür? In Lübeck ist Derby. Warum also nicht mal wieder nach St. Marzipan?
Die Ausgangslage in der Hansestadt: Der VfB ist in sportlicher Hinsicht nicht mehr die führende Kraft der Stadt. Phönix, durchaus auch ein Verein mit großer Tradition, hat zum Lohmühlenclub aufgeschlossen und zurzeit das wohl größere Humankapital. Und aber leider auch kein vernünftiges Stadion, womit wir direktemang beim Malheur des heutigen Tages wären. Die Adler tragen ihre Heimspiele mangels Alternativen momentan auf dem Buni, einer für Fußballspiele nur bedingt geeigneten bekannten Lübecker Leichtathletikanlage aus. Dort kann nicht nur kaum Stimmung aufkommen, auch ist das Fassungsvermögen insbesondere des Gästebereichs arg begrenzt. Dass der in Sachen Fanaufkommen in der Stadt eigentlich deutlich besser aufgestellte VfB diesen heute auch nicht nur annähernd füllt, hat dann mit einer Sicherheitsmaßnahme zu tun, die der Pappelkurve missfällt: Personalisierte Tickets. Die VfB-Szene rief also zum Boykott auf. Der Plan der grün-weißen Ultras, stattdessen außerhalb des Buni für Atmosphäre zu sorgen, geht an diesem VfB-Pleitentag dann jedoch auch nicht auf. Die Cops sperren den Bereich weitläufig ab. Bereits kurz hinterm Holstentor muss man sein Ticket vorzeigen, um sich überhaupt dem Stadion nähern zu können. Bei allem Verständnis für Sicherheitsfragen: Das scheint tatsächlich maßlos übertrieben. Im Stadioninnern herrscht dann ein für ein Derby trostloses Bild. Support ist heute nur von einer kleinen Phönix-Schar auszumachen. Die Kreativität der Adlerfans wirkt dabei beschränkt. Zwei, drei verschiedene Gesänge und totgeglaubte „Klassiker“ wie „Einer geht noch rein!“ oder „Ecke – Ecke – Ecke – Tor – Tor – Tor!“ sind das höchste der Gefühle. Daneben auf der gut gefüllten Haupttribüne: Klatschpappenpublikum. Überzeugend ist heute tatsächlich lediglich das Catering und wenigstens in Ansätzen das Spiel der Phönix-Elf, die dieses Derby völlig verdient mit 2:0 gewinnt. Mit Ausnahme einer kurzen Drangphase zu Beginn der zweiten Halbzeit enttäuscht der VfB maßlos. Die aktive Szene meldet sich in dieser Phase mit einer grünen Rauchbombe aus dem Wald – das war´s auch von dort!
Ach, VfB Lübeck eigentlich wär jetzt wohl der Moment für Schadenfreude. Deine Stadt ist mittlerweile blau-weiß-rot, übrigens auch die Farben von Holstein Kiel! Und pleite bist Du auch noch. Aber nach unten treten macht halt echt keinen Spaß und ist zudem schlechter Stil…
Ein wenig Hoffnung mag den Lübeckern tatsächlich ein Blick in die Landeshauptstadt spenden. Die KSV Holstein feiert dieser Tage ihr 125jähriges Bestehen. Vor ca. 25 Jahren schienen der TuS Felde und der TSV Altenholz noch in der Lage zu sein, die KSV als Nr. 1 der Region abzulösen. Gegen diese Dorfvereine ist Phönix Lübeck doch glatt ein großer Name.
Und heute? Ist Holstein Kiel ein etablierter Zweitligist. Wie damals der VfB übrigens. The times they are changing.

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