Fahrrad, Fußball, Feuerwerk – ein kleiner Trip durch Süd- und Mitteljütland

Die Fußballsaison neigt sich dem Ende entgegen, die letzten Entscheidungen fallen. Meine Interessen wurden dabei nach zuvor schwankendem bis mäßigem Saisonverlauf doch noch berücksichtigt: St. Pauli bleibt drin, der FC us Kölle steigt auf, Tottenham gewinnt einen Pokal und: St. Gilloise wird erstmals seit 90 Jahren wieder Meister! Da ist der Aufstieg des HSV und mit ihm das Ende eines vermeintlich immerwährenden Running Gags tatsächlich zu verkraften…

An diesem Wochenende führt mich mein Weg nach Dänemark, wo ebenfalls der letzte Spieltag der Saison ansteht.
Nach kurzer Reiseplanung steht fest: Das Fahrrad kommt mit. Dank geschickter Arbeitsplanung geht es schon am Freitagmorgen mit dem Auto in die Nähe von Vejle: Nach Jelling. Unesco Welterbe und so. Ein Blick auf den Stein und dann ab aufs Bike. Über den Ochsenweg und den Esbjerg-Kopenhagen-Radweg geht es bei recht stabilen Wetterverhältnissen über Kolding nach Fredericia, wo an diesem Abend der erste Kick auf mich wartet.
Einen kurzen Stadtrundgang und ein abendliches Mahl später befinde ich mich plötzlich in einem pyromanischen 50-Personen-Mob, bei dem es sich offensichtlich um Supporter von Kolding IF handelt, die heute in der Aufstiegsrunde zur Superliga beim FC Fredericia zu Gast sind.
Ich lasse die stimmungsvolle Runde hinter mir und entere die Gegengerade des sich im Umbau befindlichen Stadions, das heute gut gefüllt ist. Kein Wunder: Fredericia ist bereits aufgestiegen, es soll gefeiert werden. Praktischerweise wurden daher heute auch die Bierpreise halbiert! Die Stimmung ist folglich schon vorm Spiel blendend. Highlight des Warm-Ups ist dann ein Saxonphon-Spieler, der Techno-Ballaballa-Hits untermalt. Was soll ich sagen: 10 Minuten können sehr, sehr lang sein!
Direkt vor dem Spiel wird mit Jesper Juelsgaard ein ehemaliger dänischer Nationalspieler, der seine Karriere zuletzt in Fredericia ausklingen ließ, verabschiedet. Er steht gar in der Startformation, um dann nach zwei Minuten unter Standing Ovations ausgewechselt zu werden.

Das Spiel plätschert im Anschluss eher vor sich hin, die beiden kleinen Fanszenen supporten kontinuierlich bzw. monoton und das Bier mundet.
2:0 gewinnen die Gastgeber am Ende – mehr gibt es vom Kick eigentlich nicht zu erzählen – außer vielleicht, dass ich einen interessanten Spieler ausgemacht habe: Scouting-Anfragen bitte per Mail an mich!
Nach dem Spiel erstrahlt dann ein Feuerwerk am Himmel Fredericias. Der FCF ist aufgestiegen! Und hat gleichzeitig auch noch die beste Saison der Vereinsgeschichte gespielt. Spoiler: In der Superliga wird´s schwer.

Nach einer geruhsamen Nacht gehts dann weiter gen Vejle. Lässt sich die Strecke von Fredericia dorthin in ca. 25 Kilometern bewältigen, so sieht der von mir gewählte Ostseeküstenradweg etwa die doppelte zu bewältigende Distanz vor. Und: Hügel hat´s hier. Glaubt man gar nicht. In Vejle angekommen entscheide ich mich ob der sinistren Wetterprognose für den kommenden Tag zur direkten Weiterfahrt nach Jelling, um bereits jetzt das Auto zu holen. So komme ich an diesem Tag auf knapp 70 geradelte Kilometer, bevor ich gerade noch rechtzeitig das Vejler Fußballstadion erreiche. Hier gibt´s heute in der Abstiegsrunde der Superliga das nächste Derby: Vejle BK vs. Sønderjyske Fodbold. Bei den Planungen hatte ich darauf gesetzt, dass es hier und heute für die Gastgeber um den Klassenerhalt gehen könnte. Mit einem Zwischenspurt und 10 Punkten aus den vergangenen vier Partien konnte sich der Traditionsverein aus Vejle aber bereits vor dem heutigen Spiel retten. Es geht also erneut um eher wenig.
Die Stimmung ist dennoch prächtig, das Niveau in der ersten Halbzeit jedoch überschaubar. Auffällig agiert die Nummer 10 Vejles. Nicht ganz ein Allan Simonsen vielleicht, aber ein Spieler, der mir schon 2018 bei einem dänischen Drittligakick aufgefallen war und nun Leistungsträger in der Superliga ist. Wie gesagt: Scouting-Anfragen gerne per Mail!
Die zweite Halbzeit bietet dann mehr Spektakel. Eine Vejler Führung, ein sich steigernder Gast, der das Spiel zu drehen in der Lage ist und am Ende auch mit 3:2 gewinnt. Ich fühle mich erneut bestens unterhalten.
Nach einem kleinen Stadtrundgang klingt der Abend dann im Hotel aus. Es läuft das DFB-Pokalfinale.
Am den Trip abschließenden Sonntag führt mich die Reise dann noch ein wenig gen Norden. Aufgrund der Wetterlage bleibt das Fahrrad heute im Kofferraum. Die knapp 70 Kilometer nach Herning werden also motorisiert zurückgelegt.
Der dort beheimatete FC Midtjylland hat im Heimspiel gegen Randers noch die Chance auf die Meisterschaft, ist aber von einem Patzer des FC Kopenhagen abhängig. Das Spiel ist ausverkauft, sodass ich nur noch eine Karte für den Gästebereich erhalte. Später erfahre ich, dass noch nie zuvor so viele Zuschauer ein Spiel in der Herninger Arena besuchten. Schön!
Auch heute fühle ich mich gut unterhalten, der Kick ist offener als gedacht, was möglicherweise auch daran liegt, dass relativ schnell klar ist, dass im Parallelspiel Kopenhagen überhaupt gar nichts anbrennen lässt. Eine Meisterschaft wird hier heute also nicht gefeiert. Kurz vor Schluss gelingt der Heimmannschaft trotzdem noch der tatsächlich gefeierte Siegtreffer. Ich mache mich ganz schnell auf den Heimweg, da am Folgetag ja dann doch wieder gearbeitet werden soll.

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