Final4 auf Dänisch

Winter und Lust auf Passivsport? Dann ab zum Eishockey!
Die Chance auf ein entsprechendes Event bietet sich an diesem Wochenende im süddänischen Vojens, wo in einem Final4-Turnier der dänische Pokalsieger ausgespielt werden soll. Am Freitag verlief dabei bereits der erste Turniertag ohne unsere Anwesenheit. Die Randkopenhagener aus Herlev setzten sich dabei in ihrem Spiel ebenso durch wie das Team der Herning Blue Fox. Letztere profitierten in ihrem Match gegen den Titelverteidiger und diesjährigen Gastgeber aus Vojens dabei wohl von einer Skandalentscheidung, wie der „Nordschleswiger“ – die deutschsprachige Zeitung Südjütlands – zu berichten weißt, der titelt: „Eine Schande fürs dänische Eishockey!“ Der Sudden Death-Siegtreffer Sønderjyskes hatte nach zehnminütiger Analyse keine Anerkennung gefunden – wohl zu Unrecht. Im Penaltyschießen gewann dann der Rekordmeister aus Herning, der zudem ganz Allgemein im Ruf zu stehen scheint, von Verbandsseite eher bevorteilt zu werden.
Von alldem lese ich erst in der guten gefüllten Halle, die wir etwa eine halbe Stunde vor dem Spielbeginn betreten. Auffallend nämlich und Grund für meine entsprechende Recherche ist eine gewisse Aufgeheiztheit im weiten Rund. Die Herninger werden zwar von einem kleinen, aber aktiven Fanblock unterstützt, erfahren aber vom restlichen Publikum die geballte Ablehnung. Dass wir Karten am Randes des Herlever Blocks haben, ist Zufall. Wir werden gleichwohl für den Support vereinnahmt. Bevor es so richtig losgeht, müssen aber erst einmal alle aufstehen und laut singen: „Der er et yndigt land“ ertönt es aus aller Munde – die Blicke stolz auf den Danebrog gerichtet. Ganz unhyggelig patriotisch, diese Dänen.
Das erste Drittel ist dann fest in der Hand des Favoriten, der – wenn ich meiner Recherche glauben darf – ein haushoher ist. Rekordmeister und aktueller Spitzenreiter der Metalligaen sind die Mitteljütländer. Herlev hingegen gewann 1984 ein einziges Mal die dänische Meisterschaft.
Herning geht dann auch folgerichtig in Führung, Herlev übersteht mit ein wenig Glück eine doppelte Unterzahl und gleicht dann quasi aus dem Nichts aus. Das gefällt natürlich dem Herlev-Block und hier insbesondere einem kleinen Ultramob. Aber auch alle anderen in der Arena, die es nicht mit Herning halten, freuen sich. Im zweiten Drittel ist das Spiel dann deutlich offener, das einzige Tor erzielt aber der Favorit. Spannend, ja mitreißend wird es hingegen im letzten regulären Drittel. Bereits nach wenigen Sekunden gelingt Herlev in Überzahl der Ausgleichstreffer, im Verlauf dann gar die Führung. Direkt vorm eigenen Block sorgt dies für einen ganz beachtlichen Torpogo. Der Einsatz von Pyrotechnik in geschlossenen Räumen sorgt dann aber für Stress innerhalb der Herlever Fanszene mit einigen ordentlichen Handgreiflichkeiten. Böse Gesänge aus dem Herninger Block lassen den Konflikt dann dorthin überschwappen. Es wird bei nun entsprechendem Ordnereinsatz unübersichtlich und – tatsächlich – unhyggelig.
Derweil läuft das Spiel temporeich weiter. Herlev lässt ein, zwei Chancen zur Vorentscheidung liegen, fängt sich dann eine überflüssige, aber auch streitbare Zwei-Minuten-Strafe ein und muss während dieser den Ausgleichstreffer hinnehmen. Diese schnellen Wendungen im Spiel sind neben der Intensität des Spiels das aus meiner Sicht Mitreißende am Eishockey.
In der Verlängerung stirbt Herlev dann leider den plötzlichen Tod. Das tut mir wirklich leid, da ein Sieg für den Außenseiter, der an diesem Tag ein klein wenig mein Herz gewann, gar nicht mal unverdient gewesen wäre.
Dänischer Pokalsieger ist in diesem Jahr aber Herning Blue Fox, die mich allein mit dem blauen Laserhockeyschläger ihres Maskottchens überzeugten.

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