Urlaub auf Kreta. Und das obligatorische Fußballspiel darf nicht fehlen. Zur Auswahl stehen das Duell des führenden kretischen Vereins OFI mit dem Hauptstadtverein Panathinaikos und zwei Drittligakicks. Dass ich mich für einen der letzteren entscheide, hat etwas mit den unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen zu den Spielen zu tun. Eine Fancard – oder wie der Bums auch heißen mag – anzuschaffen, ist mir eindeutig zu aufwendig. Dann lieber etwas Kleines, Basisches. Und da wir zwischen den beiden wunderhübschen Studentenstädtchen Chania und Rethymno urlauben, bietet es sich an, das Heimspiel des abstiegsbedrohten Drittligisten AO Rethymniakos gegen Thiva FC zu besuchen. Bei Thiva handelt es sich um den Nachfolgeort des Ödipusschen Thebens, das einst in Böotien lag. Die Anreise des Teams gen Kreta dürfte folglich aufwendig gewesen sein.
Die dritte Liga Griechenlands heißt Gamma Ethniki und ist in mehrere Regionalgruppen unterteilt. Die kretischen Teams spielen dabei allesamt mit momentan mäßigem Erfolg in der Gruppe 4. Besonders erfolglos agiert das heutige Heimteam aus der Hafenstadt Rethymno. Die Mannschaft mit dem kickenden Delfin im Logo hat in der noch jungen Saison bisher alle Spiele verloren. Heute – so ist dem vereinseigenen Facebook-Kanal zu entnehmen – soll sich das ändern. Man ist heiß! Diese Seite aufgerufen zu haben, erweist sich für mich auch insofern als hilfreich, als dass ich ihr entnehmen kann, dass der heutige Kick nicht im wunderbar am Meer gelegenen vereinseigenen Stadion stattfinden soll, sondern auf der Anlage von Aris Rethymno. Dieses Stadion liegt ca. vier Kilometer von der sehenswerten Altstadt des Küstenstädtchens entfernt und wird von mir per Leihwagen einfach und rechtzeitig erreicht. Es ist ähnlich wie Facebook in die Jahre gekommen.
Außer mir haben noch ca. 200 weitere Interessierte den abgerockten Sportplatz am Stadtrand aufgesucht. Dieser besticht durch eine uncharmante durchgängige Maschendrahtbezaunung, hinter der sich auf einer der Geraden eine kleine Tribüne befindet. Hinter einem der Tore befinden sich der Catering- und Sanitärbereich sowie die Umkleidekabinen.
Mit dem Anpfiff füllt sich die Tribüne langsam. Support gibt es nicht, wohl ist aber deutlich spürbar, dass man es hier mit dem Heimteam hält. Es wird geschimpft, kommentiert und – selten, da hierzu zunächst wenig Anlass besteht – applaudiert. Die Mannschaft aus Thiva wirkt zu Beginn deutlich reifer, der Ball läuft recht flüssig, während es die Kicker aus Rethymno eher grobschlächtig angehen lassen. Hoch und weit bringt Sicherheit. Das Niveau ist insgesamt zwar überschaubar, das Spiel und das Drumherum sind jedoch durchaus unterhaltsam. Nachdem die Gäste einen Hochkaräter noch ungenutzt gelassen haben, wird ihnen nach ziemlich genau einer halben Stunde Spielzeit berechtigterweise ein Foulelfmeter zugesprochen, der zur verdienten Pausenführung genutzt wird.
Nach dem Wechsel bietet sich dann ein anderes Bild. Trotz offensichtlich beschränkter individueller Möglichkeiten ist Rethymniakos nun deutlich präsenter. Die eigentlich beschlageneren Kicker vom Thiva FC scheinen das Ding nur noch nach Hause schaukeln zu wollen. Dass dies nicht bestraft wird, liegt einzig und allein an der hanebüchenen Chancenverwertung von Rethymniakos. Mehrmals springen in dieser zweiten Halbzeit einzelne Besucher entsetzt auf. Man rauft sich die Haare. Man flucht. Am Ende steht eine weitere Rethymniakos-Pleite.
Und jetzt? Gibt es Urlaubsfotos!








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