Gestern Molfsee, heute Dänemark

Einen hab ich noch! Infektbedingt alles eine Spur kleiner als ursprünglich geplant, aber immerhin: International.
In Haderslev vor den Toren Flensburgs ist seit diesem Sommer wieder dänischer Erstligafußball im Angebot. SønderjyskE Fodbold, ein Zusammenschluss aus diversen Vereinen Südjütlands stieg souverän auf. Auch wenn Konstrukte dieser Art in Dänemark nicht ganz ungewöhnlich sind (FC Midtjylland! FC Nordsjælland!), so begleite ich sie skeptisch, wohnt ihnen doch mehr als nur eine kleine Prise Plastik inne. Das heutige Duell der Südjütländer gegen den Hauptstadtverein FC København als „El Plastico“ zu bezeichnen, wäre zwar ein nicer Diss gegen die Freunde des HSV, die die Kopenhagener am Ende eben auch nur sind, aber zudem ein wenig unfair. Denn: Der FC København entstand eben auch als Zusammenschluss zweier Traditionsvereine – dies jedoch bereits vor über 30 Jahren. Die aktive Fanszene von KB, die damals auch bereits eine der größten des Landes war, trug diese Fusion damals mit, was dazu führte, dass die Voraussetzungen deutlich andere waren und sind als z.B. in Haderslev.
Auch heute ist ordentlich Auftrieb, sind ca. 1500 Gästefans am Start, um ihren Verein in der Provinz zu unterstützen.
Doch vorab zu etwas völlig anderem: In Aabenraas Slot Brundlund lasse ich die Werke Franziska Clausens auf mich wirken, im Anschluss relaxe ich am Strand von Halk. Einen Stadtrundgang später – es gibt schönere dänische Städte als Haderslev, aber rund um die Domkirke isses ganz gemütlich! – mache ich mich schließlich auf den kurzen Fußweg zum Sydbank Park.
Im Vergleich zum letzten Besuch sind die Ränge heute bereits 30 Minuten vor Anpfiff sehr gut gefüllt, am Ende werden knapp 8000 Zuschauer gezählt. Ich lasse mich mit einem Hot Dog in der Hand auf meinem Sitzplatz nieder. In knapp 10 Metern entfernt analysiert ein gut ausgeleuchteter, aber trotzdem nicht ganz frisch wirkender Stig Tøfting für das dänische Fernsehen. Vor einigen Jahren soll er im Rahmen einer Moderation durch Furzen für Aufsehen gesorgt haben. Heute läuft es hingegen wohl flüssig.
In den folgenden zwei Stunden lasse ich mich vom zahlreich erschienenen und stimmgewaltigen Gästeanhang unterhalten, neben dessen Block ich heute platziert worden bin. Von der Heimseite hört man nichts.
Nach einer kurzen, aber schmerzhaften „Sweet Caroline – O-O-O“-Zeremonie beginnt das Spiel mit einer Doppelchance für die Hausherren.
Nach diesem kurzen Schreck besinnen sich die favorisierten Kopenhagener aber und dominieren das Spiel in der Folge auf eine beinahe absurde Art. Insgesamt erzielen sie an diesem Abend fünf Abseitstore, von denen ihnen eines nach dem Einsatz des VAR jedoch als regulärer Treffer zugesprochen wird. Ferner erzittert ebenso häufig das Gebälk SønderjyskEs. Bis zur 86.Minute führt der FC København lediglich mit 1:0, sodass es wenigstens theoretisch spannend bleibt. Dann trifft der Altinternationale Elyounoussi zum 2:0. Nur fair, hatte er doch alleine zuvor dreimal den Pfosten getroffen.

In den Schlussminuten sinniere ich noch über die „Schönheit“ der dänischen Sprache und darüber, welcher „New Firm“ – Verein nun der sympathischere ist. Ich glaube, Brøndby IF. Wobei man dem FC København immerhin anrechnen muss, dass er der einzige Verein ist, bei dem Ståle Solbakken je funktioniert hat…

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