Eine Woche im Osten Siziliens. Taormina. Siracusa. Alcantara. Catania. Und: Messina. In die Stadt mit Blick aufs Festland führt es mich in erster Linie, um das obligatorische „Ich-bin-woanders-also-schaue-ich-mir-dort-ein-Fußballspiel-an“-Spiel mitzunehmen. Das Sightseeing in der vom Verkehrshorror geknechteten Stadt ist schnell abgeschlossen. Messina ist möglicherweise interessant, jedoch nicht schön im engeren Sinne. Chaotisch gestaltet sich die Busfahrt zum ca. 5 Kilometer außerhalb des Stadtkern gelegenen Stadio San Filippo. Planerisch so herausfordernd, dass ich sogar auf den Besuch des wohl herausragenden Hauptfriedhofs der Stadt verzichte, um den Beginn des Spiels nicht zu verpassen. Der Bus quält sich schließlich durch den Feierabendverkehr. Ein Gehupe, Geschiebe und Gefluche ist das – beinahe ein wenig klischeemäßig überzeichnet. Der Busfahrer, den ich zuvor fragte, ob sein Bus der richtige sei, gibt mir schließlich persönlich den Hinweis auszusteigen und zugleich noch einen Begleiter an die Hand, der auch das Heimspiel des örtlichen ACR Messina besuchen möchte. Auf dem Weg zum Stadion erzählt dieser mir, wie schlecht das Team in den letzten Jahren performt habe und dass in der vergangenen Saison gar nur sehr knapp der Abstieg in die Viertklassigkeit verhindert worden sei. Er selbst sei just aus dem norditalienischen Bergamo, wo er die letzten Jahre gelebt habe, zum Studieren nach Messina zurückgekehrt. Insgesamt lebe es sich hier aber deutlich schlechter als in anderen Regionen Italiens. Der einzige Vorteil Messinas sei die Meereslage. Vorm Stadion verabschieden wir uns voneinander, da ich noch den Ticketschalter aufsuchen muss. Vor diesem stehen ganz unmittelbar vorm Anpfiff jedoch knapp 100 Personen, die sich um einen einzigen geöffneten Verkaufsschalter drängen. Die Stimmung beim am Kartenerwerb interessierten Mob ist angesichts des Chaos verständlicherweise angespannt. Spontan zücke ich das Handy und erwerbe online eine Karte. So gelange ich tatsächlich eindeutig schneller als auf herkömmlichem Wege zum Ziel, mithin: ins Stadion.
Das Stadio San Filippo ist noch relativ jung, wirkt aber dennoch in die Jahre gekommen, ein wenig abgerockt. Ein typisches italienisches Stadion, könnte man sagen. Gefüllt ist es mäßig, ca. 4000 Zuschauer sollen es laut späterer Recherche sein. Die Hälfte des Heimpublikums steht oder sitzt dabei in der Curva und supportet aktiv mit. Im Gästeblock stehen ca. 40-50 Ultras. Gegner Messinas ist heute der aktuelle Tabellenführer der Serie C Turris Calcio aus dem in der Nähe Neapels gelegenen Torre del Greco.
Bereits nach einer knappen Minute jubeln aber die Gastgeber. Mit der ersten Offensivaktion gehen sie in Führung. Wenige Minuten später folgt das 2:0. Im Laufe der ersten Halbzeit zeigen dann die Gäste jedoch zunehmend, warum sie in der Tabelle ganz oben stehen: Sie spielen den deutlich gepflegteren Ball. Der Anschlusstreffer ist folgerichtig, weitere Chancen werden nicht genutzt.
In der zweiten Halbzeit zeigt sich dann ein anderes Bild. Messina wird stärker. Nach einem Konter gelingt der dritte Treffer, weitere Möglichkeiten folgen. Bis wenige Minuten vor Schluss spricht nichts dafür, dass Turris noch einmal ins Spiel zurückkommt. Aus dem Nichts fällt dann jedoch ca. 5 Minuten vor dem Ende der Anschlusstreffer. Messina wird nervös, Turris wirft alles nach vorne. Und was passiert zum Ende der üppigen Nachspielzeit? Richtig, es fällt der Ausgleich! Turris flippt aus, Messina trauert. Aufgrund der Erfahrung vor dem Spiel ist mein Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr der Stadt begrenzt, so dass ich nach dem Abpfiff nicht länger im Stadion verweilen möchte, sondern vielmehr direkt gen Bushaltestelle sprinte. Den letzten Bus gen Taormina möchte ich ungern verpassen. Und tue es schließlich auch nicht.
Vielen Dank für die gute Unterhaltung!






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