Mit dem Fahrrad nach Luxemburg

Auch auf der diesjährigen Sommerradeltour, für die ich mir das Mosel-Saar-Gebiet sowie das Fürstentum Luxemburg ausgesucht hatte, durfte ein Fußballspiel nicht fehlen. Da es für die Ligue 1-Partie zwischen dem FC Metz und Olympique Marseille nur noch mir deutlich zu teure Karten gab, entschied ich mich für einen echten Exoten, nämlich das Conference League-Spiel zwischen dem Luxemburger Meister Swift Hesperange und dem Champion aus Nordmazedonien, der auf den noch merkwürdigeren Namen FC Struma Trim-Lum hört.

Mit 120 Kilometern in den Beinen erreichte ich die Hauptstadt des Fürstentums, checkte ein und gönnte mir dann in einem wunderbar-schlichten und mit skurrilen Einheimischen hochfrequentierten Vorstadt-Bistro in Gasperich einen Flammkuchen und einen Humpen Bofferding. Praktisch, dass das Spiel nicht auf dem gewöhnlichen Swift-Sportplatz stattfinden sollte, sondern im schmucken Stade de Luxembourg umme Ecke.

Als ich dieses knapp 30 Minuten vorm Spiel erreiche, ist noch erschreckend wenig los. Am Crémant-Stand mache ich den ein oder anderen Schnösel-Fan aus, das Stadion fühlt sich nur schleppend. Wenige Minuten vor Beginn werden von Menschen in Fankluft ein paar Banner aufgehängt, zwei Jugendliche in meiner Nähe haben zudem ihren Swift-Trikots mit Edding die Aufschrift „Ultras“ verpasst. Mit Spielbeginn, der sich durch bumsfidele Discomusik und einen hysterisch schreienden Stadionsprecher angekündigt, ist eine Hintertortribüne gut und ein Teil der Haupttribüne mäßig gefüllt. Support ist zunächst lediglich aus dem mit ca. 50 Gästen, einer Trommel, zehn albanischen sowie zwei mazedonischen Flaggen gefüllten Gästeblock zu entnehmen. Leise, aber immerhin.
Swift muss aus dem Hinspiel in Nordmazedonien einen Rückstand von zwei Toren aufholen, um ggf. doch noch in die Play Offs der Conference League zu gelangen. Entsprechend offensiv beginnt das Heimteam. Das gibt Applaus. Aber oft mangelt es im Offensivspiel an der Genauigkeit. Das führt zu Unmut. Laune kommt auf, als nach einer Viertelstunde ein Spieler der Gästemannschaft wegen einer Tätlichkeit vom Platz fliegt. Mit der nächsten Spielsituation erzielen die Gäste gleichwohl den Führungstreffer. Zwei weiteren Riesenchancen der Nordmazedonier folgen, werden aber nicht genutzt. Die Luxemburger sind nervös und können erst sukzessive Druck aufbauen. Zur Pause steht es 0:1.
Nach dem Wechsel ist das Bild dann ein anderes. In der gesamten zweiten Halbzeit werden die Gäste kein einziges Mal mehr aus ihrer eigenen Hälfte herauskommen. Ihr Torwart wird einige herausragende Paraden bereithalten und das Zeitspiel wird in einer beeindruckend dreisten Art und Weise perfektioniert.
Swift schafft in der 70.Minute den Ausgleich und mit Beginn der Nachspielzeit den Führungstreffer, so dass die letzten Minuten noch einmal hitzig und tatsächlich auch stimmungsvoll werden. Nun gibt es tatsächlich Anfeuerungsrufe: „Swift!“ und „Allez Hesper!“. Beziehungsweise am Ende dann doch wieder Pfiffe, als der Abpfiff ertönt. Denn der FC Struga rettet sich irgendwie über die Ziellinie.

Luxemburg ist übrigens eine Reise wert. Möglicherweise nicht unbedingt des Fußballs wegen. Unterhalten fühlte ich mich gleichwohl bestens von dieser Partie und ihren Begleitumständen.

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