Unterwegs in Sachen Eishockey

Heute soll uns ein Familienausflug in die Lübecker Bucht führen. Genauer gesagt: An den mondänen Timmendorfer Strand, die Heimat des Ostsee-Schnöseltums einerseits, Schorsch Kameruns andererseits sowie Hauptschlagader des schleswig-holsteinischen Eishockeys.

Eishockey in Schleswig-Holstein? What?
Tatsächlich sind die Timmendorfer unter den unterschiedlichen Vereinsnamen, die sie zwischen ihren diversen Insolvenzen innehatten, bisher meines Wissens stets der einzige im Spielbetrieb aktive Eishockeyverein des nördlichsten Bundeslands gewesen. Und auch heute noch wird der Puck in Timmendorf wenigstens teilambitioniert geschlagen. Es ist nicht mehr – wie in den besten Tagen – die Zweitklassigkeit, in der die sich nun Beach Devils nennenden Timmendorfer mittlerweile messen, sondern nur noch die viertklassige Regionalliga, aber warum der ganzen Chose nicht mal eine Chance geben? Eishockey ist zweifelsohne ein geiler Sport und die abgerockte Timmendorfer Eishalle verspricht anders als so mancher DEL-Tempel immerhin, ganz nah am Geschehen zu sein und die Intensität des Sports somit auch erfassen zu können.

Dass das Eissport- und Tenniscentrum des schicken Badeortes ähnlich wie der es nutzende Eishockeyverein schon bessere Zeiten erlebt hat, lässt sich gleichwohl schon auf dem Parkplatz erahnen: Nur ein Bruchteil der Buchstaben des Namenszugs ist beleuchtet. Und auch in der Halle ist mehr Vergangenheit als Gegenwart wahrnehmbar. Charmant wirkt das alles: Die Holzsitzbänke auf der Gegengerade, die alten Fanlappen an den Wänden, die Ortsschilder oberbayrischer Eishockeymetropolen, die Trikots früherer Starspieler, die von der Decke hängen und der heute gänzlich verwaiste Gästeblock, dessen Aufkleberansammlung jedoch von anderen Tagen zeugt.

Heute sind gut 400 Zuschauer gekommen zum Spiel der noch um die Play Offs kämpfenden Timmendorfer gegen die bis hierhin punktlosen Gäste aus dem niedersächsischen Wunstorf. In der Strandkurve gibt es dabei sogar einen kleinen beinahe ultraesken Supportbereich. Einige Kutten sind zudem auf der Gegengerade auszumachen. Ihr Alter und insbesondere auch das ihrer Trikots lässt vermuten, dass sie hier schon seit über 30 Jahren stehen und somit viel mitgemacht haben mit ihrem Verein, der sich momentan nicht in seiner leistungsstärksten Phase präsentiert.

Ich bin kein Eishockeyexperte, aber auffallend ist neben der hohen Intensität des Spiels auch eine gewisse Fehlerquote. Als weiteres Manko ist auf Timmendorfer Seite die Chancenverwertung auszumachen, so dass es nach 60 Minuten schließlich lediglich 2:2 steht und die Gäste folglich ihren ersten Punktgewinn der laufenden Saison feiern dürfen. Da die Timmendorfer auch in der fünfminütigen Verlängerung diverse Möglichkeiten ungenutzt lassen, muss die Partie ihren Sieger im Penalty-Schießen finden. In diesem haben die Beach Devils das bessere Ende für sich.

Ein kurzweiliger Abend geht zu Ende, die jüngeren Timmendorfer Fans feiern ihr Team, während doch unter den gewöhnlichen Besuchern hier und da auch kritische Untertöne zu vernehmen sind. Im Ausgangsbereich fällt in Bezug auf das heutige Match wiederholt die Einschätzung „Not gegen Elend“.

Das mag sein. Unterhaltsam war es allemal. Und da der Eishockeysport in Timmendorf gefühlt ja alle paar Jahre so ein wenig auf der Kippe zu stehen scheint, sei einfach mal der Wunsch geäußert, dass dieser Sport noch eine lange Zukunft hat in der Region, denn: „Von der Ostsee kommen wir und spielen besser Eishockey als Ihr“…

Hinterlasse einen Kommentar